Unfall beim Anbinden eines Pferdes

Veröffentlicht von Antje Rahn am

Unfall beim Anbinden eines Pferdes

In vorliegendem Fall ging es um ein Sachverständigengutachten zur Haftung nach dem Unfall eines Pferdes. Ein Junghengst  hatte sich eine Fraktur im Bereich der  Halswirbelsäule durch unsachgemäßes Anbinden zugezogen.

Die Fraktur eines Gelenkfortsatzes war erst Wochen nach der Rückkehr des Pferdes in den Stall der Klägerin diagnostiziert worden. Aufgrund des Zeitablaufs war zu klären, ob und wodurch diese Fraktur entstanden war.

Im Ergebnis des Gutachtens wurde festgestellt, dass ein Unfall im Ausbildungsstall, verursacht durch unsachgemäßes Anbinden die Ursache war. 

Anbinden als Unfallursache

Das sichere Anbinden ist eine der wichtigsten Maßnahmen im Umgang mit Pferden, bei deren Haltung und Pflege.

Junge Pferde müssen sorgfältig und sehr  vorsichtig an das Anbinden gewöhnt werden. Andernfalls kann es zu dramatischen Zwischenfällen und schweren Unfällen kommen, in deren Folge die Pferde oft lange Zeit verunsichert und unter Umständen heftig  auf Anbindeversuche reagieren.

Schon  geringster Druck des Halfters im Genickbereich kann dann unvermittelt eine heftige Abwehrreaktion provozieren, die Pferde versuchen mit aller Kraft sich loszureißen.

Warum können Pferde bei Druck im Genick heftig reagieren? 

Aber auch Pferde, die das Anbinden gewöhnt sind, können sich angebunden aus verschiedensten Gründen unvermittelt erschrecken und dann auf den resultierenden Druck des Halfters im Genick zunächst mit Gegendruck reagieren. Das ist ein typisches Verhalten.

Wenn dann weder die Anbindevorrichtung nachgibt noch das Pferd, wird Panik ausgelöst. Das Pferd hängt sich ins Halfter, versucht sich zu befreien und kann sich und andere dabei schwer verletzen.

Es kann zu Verletzungen im Bereich des Genicks und der Halswirbelsäule kommen.

Öffnet sich plötzlich der Anbindehaken (z.B. Panikhaken) oder reißen Strick oder Halfter, so kann das Pferd ruckartig nach hinten auf den Sitzbeinbereich oder seitlich nach hinten auf den Rippen- und Hüfthöckerbereich stürzen oder sich rückwärts überschlagen.

Es kann zu Beckenfrakturen kommen. Wenn Pferde sich z.B. gegen eine  Betonwand, Pfeiler oder Selbsttränke überschlagen, können schwere Verletzungen des Genicks die Folge sein.

In vorliegendem Gerichtsprozess ging es u.a. um eine Fraktur im Bereich eines Facettengelenkes der Halswirbelsäule eines Junghengstes.

Die Verletzung war erst Wochen nach Abholung des Hengstes im Stall der Klägerin diagnostiziert worden.

Wodurch und wann war die Fraktur entstanden?

Daher war die zentrale Frage an die Sachverständige, wodurch und ob die Fraktur im Ausbildungsstall (Beklagte) oder erst nach der Abholung des Hengstes im Stall der Klägerin entstanden war.

In der Gesamtbetrachtung der vorliegenden Informationen, insbesondere der Befunddokumentation und der vorgelegten Röntgenaufnahmen ergab sich, dass die Fraktur im Ausbildungsstall der Beklagten entstanden sein musste. Der Unfall war kausal für den Schaden, somit haftungsbegründend. 

Die klinische Symptomatik war deshalb erst später aufgetreten, weil es erst im Verlaufe der Heilungsprozesse infolge der Kallusbildung zu einer Kompression des Rückenmarks mit gravierenden Folgen gekommen war.

Ursachen für Frakturen im Bereich der HWS

Frakturen und Luxationen im Bereich der Halswirbelsäule kommen insbesondere bei jungen Pferden vor und entstehen in der Regel durch starke Traumata. Überschlagen, Sturz auf den Kopf oder die seitliche Halspartie, Stürze durch das Verfangen des Hinterbeins in Halfter oder Anbindestrick sowie Strangulation durch das Halfter bei Widersetzlichkeit oder Ausrutschen sind häufige Ursachen.

Die Symptome sind abhängig von Lokalisation und Charakter der Fraktur oder Luxation. Bei Frakturen typisch sind infolge der Rückenmarkskompression die Ataxie (Störung der Bewegungskoordination) sowie der Tortikollis. Die Pferde stehen mit gesenktem Kopf steif und mit starken Schmerzen. Dadurch kann ein Stauungsödem entstehen. Bei passivem Anheben des Halses verlieren  die Pferde ihre Standfestigkeit und brechen zusammen.

Symptomatik kann erst Tage nach der Fraktur auftreten

Diese Symptomatik kann bei Fissuren (Haarrissen) und auch bei Frakturen im Bereich eines Wirbelkörpers zunächst völlig fehlen und erst Stunden oder Tage später auftreten, nämlich dann wenn es nachträglich zu einer Verschiebung der Fragmente kommt.

Bei Frakturen der Gelenkfortsätze -wie vorliegend-  kann es sogar erst nach längerer Zeit, nämlich wenn durch die Kallusbildung eine Kompression des Rückenmarks erfolgt, zu der typischen, hier hochgradig beschriebenen Symptomatik kommen.

Ergebnis des Sachverständigengutachtens 

In der Gesamtbetrachtung aller vorliegenden Informationen des Gerichtsprozesses kam das Sachverständigengutachten zu dem Ergebnis, dass die vorliegende Fraktur des Gelenkfortsatzes bereits Wochen zuvor bei einem Anbinden des Junghengstes im Ausbildungsstall entstanden sein musste. 

Kategorien: Allgemein

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